Leitzinssenkung! Negative Rendite für Staatsanleihen - was soll das?

Die europäische Zentralbank (EZB) hat am letzten Donnerstag überraschend ihren Leitzins von 0,15 auf 0,05 Prozent gesenkt. Außderdem erhöhte sie den Strafzins für Banken, die Geld bei ihr parken, von 01 auf 0,2 Prozent.

Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lohnt sich das Schuldenmachen mehr denn je. Bei der ersten Auktion sechsmonatiger Schatzanweisungen nach der neuerlichen Zinssenkung der EZB mussten sich Investoren am Montag mit einer
negativen Rendite von 0,0934 Prozent begnügen.

Das ist ein neuer Rekord. Die Anleger erhalten damit nicht wie üblich Geld vom Bund, sondern müssen selbst draufzahlen, wenn Sie deutsche Staatsanleihen oder Schuldverschreibungen erwerben.

Staatsanleihen sind mit einem festen Zins ausgestattet, das Kapital wird zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezahlt. Die Laufzeiten liegen zwischen 2 bis zu 30 Jahren. Lange Zeit galten diese Wertpapiere als äußerst sichere Anlageform, da das Risiko eines staatlichen Zahlungsausfalls als sehr gering betrachtet wurde. Mit der Schuldenkrise in Europa ist dieses Bild aber ins Wanken geraten.

Nicht so für deutsche Bundespapiere. Die Nachfrage nach den Schatzanweisungen zog deutlich an: Sie übertraf das Angebot um das 2,9-fache. Bereits bei der vorherigen Auktion am 11. August gab es bei einer erstmals negativen Durchschnittsrendite von 0,0026 Prozent schon eine 2,3-fache Überzeichnung. Die neuerliche Auktion spülte dieses Mal 1,9 Milliarden Euro in die Staatskasse, da deutsche Staatspapiere gerade bei institutionellen Anlegern wie Versicherungen und Pensionsfonds als erste sichere Adresse gelten.

Was will die EZB mit dieser, für Anleger in Deutschland eher nachteiligen, Zinssenkung erreichen:

Die Senkung des Leitzinses weist auf eine ausweitende Geldpolitik hin. Diese hat den Zweck, Kredite zu verbilligen und die Konjunktur zu beleben.

Für Unternehmen wird demnach die Finanzierung von Investitionen günstiger, wodurch insgesamt die Bereitschaft für Investitionen gefördert und die Wirtschaft angekurbelt wird. Auch für Verbraucher verbilligen sich die Kredite, was wiederum das Konsumverhalten belebt. Mangels Anlagealternativen erlebt der Aktienhandel in der Regel ebenfalls einen Aufschwung. Im Gegenzug lohnen sich Spareinlagen und Festgelder aufgrund der niedrigen Zinsen immer weniger.

Die EZB will erreichen, dass Geld ausgegeben wird. Davon profitieren die Unternehmen und Handwerker in Deutschland ebenso wie in den anderen europäischen Ländern. Es können neue Arbeitsplätze entstehen. Gerade in Südeuropa ist dies von ausschlaggebender Bedeutung. Von der wirtschaftlichen Erholung in anderen europäischen Ländern kann auch Deutschland einen Nutzen ziehen: die dort dann steigende Nachfrage nach Investitionsgütern wie z.B. Maschinen und Werkzeuge ist gut für „Made in Germany“. Nicht umsonst liegt der Anteil der deutschen Exporte in EU-Länder an den Gesamtexporten schon heute bei deutlich über 60 Prozent.


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