03.03.2013
17:50

Führungsleitsätze für Unternehmer - Leitsatz 7

Mitsprache zulassen

Mitsprache zulassen

Die meisten Unternehmer lassen sich nur ungern in die Karten sehen, insbesondere wenn es um geschäftspolitische Entscheidungen geht. Das ist auch nachvollziehbar und völlig logisch, schließlich trägt er auch das unternehmerische Risiko. Allerdings bedeutet eine Entscheidung treffen nicht auch zwingend, dass im Vorfeld dieser Entscheidung nicht auch andere Meinungen und Aspekte für die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden.

Unternehmer beschließen viel zu oft „im stillen Kämmerlein“. Diese Art der Entscheidung spart auf der einen Seite viel Zeit, und Zeit ist im heutigen Wirtschaftsleben ein wichtiger Faktor. Auf der anderen Seite kostet es dem Unternehmen auf Dauer allerdings einen wesentlich wichtigeren Faktor: die Loyalität der Mitarbeiter und deren Identifikation mit dem Unternehmen. Mitarbeiter wollen bei wichtigen Entscheidungen gefragt werden und sie brauchen das Gefühl, dass ihre Meinung zählt, insbesondere, wenn Entscheidungen des Unternehmers unmittelbare Auswirkungen auf den Arbeitsalltag der Mitarbeiter haben.

Befragen Sie als Unternehmer im Rahmen einer vorgegebenen Problemstellung Ihre Mitarbeiter und Sie werden erstaunt sein, welche Kreativität und welcher Ideenreichtum Ihnen entgegenschlägt. Als bewährtes Mittel für eine derartige Befragung hat sich das „Brainstorming“ etabliert. Jede Meinung wird gesammelt – unabhängig von Realisierbarkeit und Budget. Erst in einem zweiten Schritt werden auf Grund vorgegebener Rahmenbedingungen dann die Vorschläge eingegrenzt. Selbstverständlich – das letzte Wort hat immer der Unternehmer, denn im Endeffekt entscheidet er! Aber es gibt den Mitarbeitern ein positives Gefühl, wenn sie bei der Entscheidungsfindung mitgewirkt haben. Zudem werden die Entscheidungen des Unternehmers für die Belegschaft nachvollziehbar und in einem gewissen Rahmen transparent.

Dass die Einbeziehung der Mitarbeiter in betriebliche Entscheidungsprozesse die Motivation fördert, haben Wissenschaftler an der University of Massachusetts und dem Middlebury College im US-Bundesstaat Vermont in einem Experiment bewiesen.  180 Testpersonen, die in einzelne Teams aufgeteilt wurden, konnten durch das Lösen von Rechenaufgaben Geld verdienen. Die Hälfte der Teams konnte per Mehrheitsbeschluss selbst entscheiden, wie der Gewinn verwendet werden sollte. Die andere Hälfte hatte auf das Vergütungsmodell keinen Einfluss. Das Ergebnis war eindeutig: die Teilnehmer, die mitbestimmen konnten, zeigten eine deutlich höhere Leistung – durchschnittlich sieben Prozent mehr Aufgaben wurden bearbeitet. Zudem erhöhte sich die Zahl der richtig gelösten Aufgaben um neun Prozent, oder betriebswirtschaftlich ausgedrückt: die Produktivität stieg. Interessant dabei: das gewählte Vergütungsmodell spielte keine Rolle.
(Democracy in the Lab: IZA Discussion Paper No. 5460)

Wer Entscheidungen einsam fällt und sie dann auch noch mangelhaft kommuniziert, muss sich nicht wundern, wenn Mitarbeiter diese Beschlüsse nicht mittragen. Insbesondere bei der Findung von Zielen ist es motivierend, die Mitarbeiter in die Zielfestlegung mit einzubeziehen. Dieser Führungsstil – genannt Management by Objectives, die Führung durch Vorgabe von Zielen – setzt sich zunehmend auch in mittelständischen Betrieben durch. Unternehmer und Mitarbeiter legen gemeinsam Ziele fest. Wie die gesetzten Ziele letztendlich erreicht werden, ist größtenteils Sache der Mitarbeiter. Die Vorteile der Mitsprache liegen auf der Hand: höhere Motivation und Identifikation der Mitarbeiter, deutliche Leistungssteigerung, verbesserte Produktivität.


"Nicht die Größe der Karawane ist entscheidend, sondern die Weisheit, mit der sie durch die Wüste geführt wird." (arabisches Sprichwort)


                                                            
Leitsatz 8  

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Tags: führungsleistsätze, sperberscholz, mitarbeiter, motivation, mitsprache zulassen
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