10.03.2013
17:43

Führungsleitsätze für Unternehmer - Leitsatz 8

Freiheiten gewähren

Wenn man im Ausland nachfragt, was deutsche Unternehmen von anderen unterscheidet, dann kann man immer wieder hören, dass gerade die absolute Linientreue der Mitarbeiter und die deutsche Pünktlichkeit überaus hoch gelobt und bewundert werden. Sicherlich hat die deutsche Vorliebe für klare Regeln und Anweisungen und die Einhaltung getroffener Terminabsprachen eindeutige Vorteile. Zu starke Vorgaben können aber auch beengend wirken.

So ist es in vielen deutschen Betrieben immer noch Usus, mit starren festgelegten Arbeitszeiten pünktlich ab 08:00 Uhr an Hand von klaren, festgeschriebenen Arbeitsanweisungen den Mitarbeitern den Kugelschreiber zu führen. Und exakt um 16:00 Uhr schaltet sich der Anrufbeantworter automatisch ein und begrüßt den anrufenden Kunden mit den Worten: „Leider rufen Sie außerhalb unserer Öffnungszeiten an“. Häufig ist zu beobachten, dass Mitarbeiter das Telefon schon 10 Minuten vor dem Ende der Kundenöffnungszeiten nicht mehr abheben. Das Vorbereiten auf Dienstschluss benötigt eben auch gewissen Zeitrahmen.

Oder was halten Sie von Unternehmen, bei denen die Mitarbeiter im Ladengeschäft stehen und sich unterhalten, während 2 Minuten vor Beginn der Öffnungszeit vor der verschlossenen Eingangstüre bereits einige Kunden auf Einlass warten. In deutschen Geschäften wird pünktlich geöffnet!

61 Prozent der Mitarbeiter machen heute Dienst nach Vorschrift, so die aktuelle Gallup-Umfrage des Jahres 2012. Aber nicht, weil das ihr persönliches Ideal ist oder weil sie zu faul sind, sondern weil sie die Erfahrung gemacht haben: So machen sie sich am einfachsten beim Chef beliebt, bekommen keinen Dämpfer und stören den Betriebsablauf am wenigsten. 24 Prozent der Mitarbeiter in den Unternehmen haben sich gedanklich bereits verabschiedet – vor 10 Jahren waren es „nur“ 15 Prozent.

In vielen dieser Unternehmen ist bei näherem Hinsehen erkennbar, dass von der Führungsetage ein sehr autoritärer Führungsstil gepflegt wird, der den Mitarbeitern wenig Spielraum überlässt. Doch wo starre Regeln und ein Übermaß an Kontrolle vorherrschen, gedeiht keine Kreativität. Es ist jedoch erwiesen, dass Mitarbeiter, denen innerhalb definierter Spielräume eigene, selbständige Gestaltungsmöglichkeiten eingeräumt werden, deutlich bessere Leistungen erbringen. Innovation und Produktivität erhalten eine deutliche Steigerung. Als Unternehmer stellt sich die Frage, was ist mir lieber? Ein Mitarbeiter, der pünktlich und genau die Arbeitszeiten einhält und innerhalb der vorgegebenen Arbeitszeit gerade sein Pensum erledigt, also Dienst nach Vorschrift macht, oder ein Mitarbeiter, der vielleicht dazu neigt, später anzufangen, der sich auch einmal zutraut, dem Chef zu widersprechen, der eigene Ideen und Vorschläge einbringt, es aber regelmäßig schafft, bereits deutlich vor der Zeit mit den übertragenen Tätigkeiten ordnungsgemäß fertig zu sein.

Freiheiten einräumen heißt nicht „laissez faire“ für die Mitarbeiter. Ein gewisses Maß an Kontrolle ist unbedingt erforderlich. Für den erfolgreichen Unternehmer gilt es, hier die richtige Balance zu schaffen. Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.



„An der Leine fängt der Hund keinen Hasen“  (rumänisches Sprichwort)


                                                                           
Leitsatz 9  

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Tags: führungsleitsätze, sperberscholz, mitarbeitermotivation, freiheiten gewähren
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