China ist weit entfernt - oder doch nicht?

    Die EU-Finanzminister verhandeln derzeit in Luxemburg über neue Regelungen zur künftigen Rettung schwankender Banken in Europa. Und jetzt erschüttert auch ein Mini-Crash China, ausgelöst durch deren Banken vor Ort.

Chinas Aktienmarkt fällt und beschert auch dem DAX Verluste. Hintergrund sind die Liquiditätsprobleme der chinesischen Banken. Obwohl sich die Geldversorgung der Kreditinstitute wieder stabilisiert hat, bleiben die Märkte nervös. Aus gutem Grund. Denn die Liquiditätsprobleme der vergangenen zwei Wochen waren nur der Anfang. Die echte Straffung der Geldpolitik steht China noch bevor.

Die Zentralbank hat die Geldversorgung bisher noch kaum verknappt. Sie hat sich lediglich passiv verhalten, als die Banken untereinander plötzlich das Vertrauen verloren haben und sich gegenseitig kein Geld mehr liehen.

Die entscheidende Kenngröße ist die jährliche Kreditvergabequote. Peking gibt den Instituten zu Jahresbeginn eine klare "Kreditneuausreichungs-Summe" vor. Diese Quote ist damit in China das wichtigste Instrument der Geldpolitik. Es handelt sich um ein Relikt der kommunistischen Staatswirtschaft - im Westen gibt es nichts Vergleichbares.

Die Quote für das laufende Jahr liegt bei ungefähr 18 Billionen Yuan (2,2 Billionen Euro). Eine gigantische Summe - sie entsprocht knapp der jährlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands. So viel haben Chinas Banken seit 2008 praktisch jährlich an Neukrediten ausgegeben. Bis Mai d.J. wurden bereits weitere 10 Billionen Yuan ausgereicht. Für die verbleibenden sieben Monate des Jahres bleibt nun monatlich nur noch ein Rest, der deutlich unter dem Niveau der Vorjahre liegt.

Den Liquiditätsengpass der Banken begründet dies alleine nicht, die Gründe hierfür sind eher im "grauen" Kapitalmarkt zu suchen: Findige Kapitaljongleure haben hohe Geldbeträge auf die Bezahlung realer Warenlieferungen aufgeschlagen und so in der Praxis mit überhöhten Rechnungen hohe Summen ins Land eingeschleust. Seit dem Frühjahr schaut die Zollverwaltung nun sehr genau hin und vergleicht den Produktionswert der Waren mit dem Preis auf der Rechnung. Während im April noch knapp 35 Milliarden Euro auf diesem Weg ins Land geflossen sind, waren es im Mai nur noch 8 Milliarden. Diesen Wert halten Ökonomen für realistisch. Er bildet den tatsächlichen Wert für die Bezahlung der chinesischen Exporte ab.

Die Zentralbank wertet Geldzuflüsse in Fremdwährung als wirkliche Bereicherung der eigenen Volkswirtschaft und hat hierfür frisch gedruckte (neu geschöpfte) Yuan im Inland ausgegeben. So haben die Spekulanten mit ihrem "heißen Geld" den chinesischen Geldmarkt angeheizt. Denn das neue Geld landete auf den Bankkonten. Somit konnten es die Kreditinstitute wieder weiter verleihen.

Uns steht noch ein heißer Sommer bevor, wenn die wahre Geldverknappung in China wirklich beginnt.

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Tags: china, banken, bankenrettung, sperberscholz, bankenkrise
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